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Cowboyspiele im Dschungel Wien: Lucky Boy – die Kritik

Das “Thearte” erzählt die Geschichte von “Lucky Boy”, einem Lonesome Cowboy, der in miserablen Verhältnissen aufgewachsen ist: dessen Eltern ermordet wurden, dessen Zieh-Onkel ein Säufer war und der trotzdem immer irgendwie Glück gehabt hat im Leben. Anne Aschenbrenner berichtet aus dem Dschungel Wien.

Lucky Boy ist mit seinem musikalischen Pferd Esteban auf der Suche nach den vier Räubern die einen Zug überfallen haben. Die Gangster sind Brüder, einer grausamer als der andere und alle haben ein besonderes Laster: der eine säuft, der andre ist geizig und abergläubisch obendrein, einer ist ein Spieler und der älteste und scheußlichste von allen ist einfach nur böse. Dumm sind sie aber alle, und so fallen sie auch auf Lucky Boys müde Tricks herein und wandern der Reihe nach ins Gefängnis…

Der Inszenierung fehlt leider eine klare Richtung: wird hier eine Geschichte im klassischen Wsetern-Stil erzählt? Oder handelt es sich um eine Western-Parodie? – Es gibt ein bisschen von allem. Durch den Einsatz von Filmprojektionen wird auf das klassische TV Western Genre angespielt. Das Bühnenbild wiederum nimmt Anleihen am Cartoon. Die Figuren orientieren sich teilweise an den klassischen Western Helden wie Billy the Kid oder Buffalo Bill. Gleichzeitig impliziert es aber auch einen Hauch von Comics: so erinnern die bösen Brüder an die Daltons und auch der Titelheld Lucky Boy heißt wohl nicht von ungefähr wie Lucky Luke. Anna Sonner (Kostüm) und Sarah Damovsky (Kostümassistenz) versuchen einem authentischen Wild-West Style gerecht zu werden, und erzeugen so einen starken Kontrast zum Pferd Esteban (gestaltet von Emanuel Jesse), das wie eine lächerliche Verwandte vom Trojanischen Pferd aussieht. Dazu kommen einige Slapstickeinlagen, die in erster Linie auf die Verständigungsschwierigkeiten mit den Mexikanern, aber auch auf Luckys Unbeholfenheit beruhen. Soweit, so konfus. Die Livemusik (gespielt von den “Mexikanern” Wolfgang Köck und Christoph Schödl) ist in erster Linie laut, eine richtige Rock-Ballade, wie angekündigt, lässt sich aber nur ansatzweise erkennen. Gewürzt wird das ganze mit jede Menge Schießereien, Steak & Whiskey und einem Witzchen für die Erwachsenen im Publikum: einer der Mexikaner fleht in gebrochenem Deutsch um sein Leben und weist im Zuge dessen auf seinen Migrationshintergrund hin – …*gähn*

Florian Hackspiel (Lucky Boy) und sein Kontrahent Roman Binder wirken zwischendurch wie zwei Jungs beim Cowboyspielen, begeistert, aber wenig überzeugend. Hackspiel, der das schwere Los hat vier Brüder zu interpretieren gelingt es an keiner Stelle die einzelnen Charaktere glaubwürdig herauszuarbeiten. Und dass einer der Brüder einen starken ausländischen Akzent aufweist? Irgendwie strange. Das Spektakel ist für Kinder ab 10 Jahren gedacht, für “Menschen im Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter”. Ob Cowboyspielen da noch “In” ist? Fraglich. Für das jüngere Publikum hingegen leider zu viel Mord & Totschlag. 

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