Szene Bunte Wähne 2012

Szene Bunte Wähne Theaterfestival 2012 – die Kritik

sbw2012-001Organisiert und chaotisch zugleich präsentierte sich das 22. Szene Bunte Wähne Theaterfestival 2012 in Horn unter der neuen Leitung von Yvonne Birghan van Kruyssen.

Die in Stralsund geborene Birghan kam im Jänner 2012 “aus dem kleinen Berlin in die Weltstadt Horn” (so der Horner Bürgermeister Jürgen Maier in seiner Rede), um Johanna Figl abzulösen und übernahm die künstlerische Leitung. In der Eröffnungsrede bedankt sie sich zunächst bei den Sponsoren und Unterstützern des Festivals, die Liste ist lang, und die Aufzählung der Firmen und Institutionen nimmt gut zwei Drittel der Rede ein. Sicherheit gewinnt Birghan van Kruyssen erst, als sie auf den Schwerpunkt des Festivals zu sprechen kommt: das Holland-Spezial. Der Kahlschlag in der holländischen Kulturlandschaft mit der drastischen Kürzung von Förderungsgeldern liegt ihr sichtlich schwer am Herzen, und so begleitet auch erstmals ein Symposium  mit kulturpolitischen Diskussionen das Festival. Sehr spät, so erklären holländische Künstler am Symposium, habe man bemerkt, welche Maßnahmen man hätte treffen müssen um den schmerzhaften Kürzungen entgegen zu wirken. Eine verstärkte Anbindung ans junge Publikum sowie Maßnahmen in der Öffentlichkeitsarbeit mit Eltern und LehrerInnen wären Wege, wie man in anderen Teilen Europas, wo Kürzungen im Kulturbereich noch bevorstehen, vorbeugend wirken könnte, lautete der Tenor beim Symposium.

Holland Spezial: Wir sind Waldviertel

Vier holländische Produktionen sowie eine Fotoausstellung der Künstlerin Carla Koglmann (Wir sind Waldviertel) bilden als “Holland Spezial” gemeinsam mit dem Symposium das Zentrum des Festivals. Schwächen zeigen sich einstweilen noch in der Organisation. Viele Entscheidungen wurden offensichtlich erst sehr kurzfristig getroffen: das Programmheft wie auch die Eintrittskarten sind voll von Tippfehlern und interessanten Sprachkreationen (eingeladene Musiker werden supportet) Das Programmheft präsentiert sich leider sehr unübersichtlich im neuen, jugendlich-frechen Design: Das Maskottchen von Mateo Dineen und Johan Potma lösen den Festival-Hund von Johanna Figl ab.

Horner Auslagen

Verstärkt versucht Birghan die Produktionen in die Umgebung von Horn zu bringen: von der Hauptstadt St. Pölten über Waidhofen an der Thaya bis Schrems und Drosendorf wird an insgesamt zehn Tagen an vielen weiteren Orten gespielt. Neu ist auch die hauseigene Produktion “Horner Auslagen”, die ein fixer Teil der zukünftigen Festivals werden soll. Missglückt ist ein wenig das Programm am Festivalwochenende selbst: insgesamt drei Produktionen werden sowohl am Samstag als auch am Sonntag gespielt, das Programm ist somit eher entspannt.

Da fehlt doch was

Die grenzüberschreitende Produktion Niederösterreich-Tschechien fehlt heuer ganz, auch wird Hindrichov-Hradec nicht mehr bespielt. Sehr schade ist vor allem das Fehlen des traditionellen KritikerInnen Seminars: in den vergangenen Jahren gaben namhafte, erfahrene Journalisten in theoretischen Lectures ihr Wissen an StudentInnen verschiedenster Studienrichtungen weiter und begleiteten die Jung-JournalistInnen dann auch mit persönlichem Feedback durch den Schreibprozess.  Zsbw2012-002iel des Seminars war nicht nur die Sensibilisierung und Weiterbildung von Studierenden (das Seminar war als Wahlfach an der Universität Wien anerkannt), sondern auch, um die in den Medien oft vernachlässigte Kinder- und Jugendkultur ein wenig mehr in den allgemeinen Blickpunkt zu rücken. Sehr spät wurde eine Anmeldung für das Seminar auf Facebook (!) ausgeschrieben, erst wenige Tage vor Festivalbeginn stand ein Lector zu Verfügung: Heinz Wagner, der Leiter der Kinderkurier-Workshops beim Wiener Ferienspiel… – Da hat das neue Team die ursprüngliche Idee vom KritikerInnenseminar wohl nicht ganz intus gehabt. Aber wie auch immer: Von den drei angemeldeten TeilnehmerInnen ist schließlich kein einziger erschienen. Peinlich. Aufschwung erlebt hat hingegen das Seminar für PädagogInnen “Do it yourself” mit praktischen Tipps zu theaterpädagogischen Maßnahmen im Unterricht. Mit dem Stück “Cafè Ed Sanders” gelang trotz aller Kritik ein spannender Einstieg ins Festival, auch Nele van den Broeck und Nora van der Mühl legten die Latte am Samstagvormittag sehr hoch. Das Theaterfestival findet noch bis 30. September statt. (Text: Anne Aschenbrenner; Fotos: sbw)

Link-Tipps:
Szene Bunte Wähne Theaterfestival
Café Ed Sanders (Kritik zum Stück)

LESERBRIEFWECHSEL mit Heinz Wagner:

Kleine Anmerkung zu einer auch mich betreffenden Passage:
Wieder mal scheint in einem Bereich jemand, der “nur” oder “vorwiegend” für Kinder und Jugendliche arbeitet, nicht für so ganz voll genommen zu werden. Nur, weil zumeist Zeitungs-Workshops für Kinder und Jugendliche (neben Ferienspiel bei uns in der Redaktion das ganze Jahr über, bei Kinderunis, der Kinderstadt “Rein ins Rathaus”) abhalte, für nicht gleichwertig hingestellt zu werden wie die Kolleg_innen, die bislang eingeladen worden waren, Kritiker_innen-Seminare zu leiten, scheint mir so, als würden Schauspieler_innen / Tänzer_innen…, die vor allem für junges Publikum arbeiten, weniger ernst genommen zu werden, als jene, die für “reifere” Zuschauer_innen tätig werden.
Schade.
Heinz Wagner
Kiku – der Kinderkurier

P.S.: Dass ich über die “Organisation” des Kritiker_innen-Seminars, wo dann letztlich niemand aufgetaucht ist, nicht happy war, versteht sich wohl von selbst. Aufwand für null.

Lieber Heinz!
Dich abzuqualifizieren war nicht im Geringsten meine Absicht und dass das so rübergekommen ist tut mir aufrichtig leid.
Schon gar nicht möchte ich den Bereich Kinder- und Jugendkultur abgewertet haben; Kulturwoche.at selbst räumt der Berichterstattung aus eben diesem Bereich seit Jahren ebensoviel Raum wie Respekt ein wie anderen kulturellen Themenbereichen.
Gemeint war, dass das KritikerInnen-Seminar beim sbw Festival in seiner ursprünglichen Form ein Seminar auf Universitätsniveau war (daher auch die Anrechenbarkeit an der Uni Wien). Die Zielgruppe Kinder und Jugendliche, die ich als deine primäre Zielgruppe betrachte, möchte ich weder höher noch niedriger stellen als Studierende, es ist einfach eine andere Zielgruppe, die unterschiedliche Anforderungen stellt und trotzdem gleichzeitig die selbe Wertschätzung verdient.
Umso neugieriger wär ich also auch gewesen zu sehen, wie du das Seminar geleitet hättest. Dazu ist es ja leider nicht gekommen, aus den Gründen, die ich im Text beschrieben habe.
Herzlichen Dank für dein Feedback, liebe Grüße, Anne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *