Odysseus am Sand

Spaßige Seitenhiebe und seichte Schmähs:Odysseus am Sand im Dschungel Wien

Dezember 2012

odysseus-am-sand-2c-alexander-dirningerEin bisschen Allgemeinbildung für die Mittelschichtkinder ist in einer Wiederaufnahme von “Odysseus am Sand” von Holger Schober (Text und Inszenierung) im Dschungel Wien zu sehen.

Erzählt wird die Odyssee von ihrem Ende her: Odysseus (Reinhold G. Moritz) der König von Ithaka und Held des Trojanischen Krieges ist am Sand, nach zwanzig Jahren Abenteuer hat er nur noch einen einzigen Wunsch: nach Hause zu seiner Frau Penelope und seinem Sohn Telemach. Gestrandet im Nirgendwo, schildert Reinhold G. Moritz seine Geschichte von den Anfängen über den trojanischen Krieg bis zur Abenteuerfahrt. Beim Erzählen schlüpft er dabei in die verschiedenen Charaktere und bringt so Lebendigkeit auf die Bühne. Die Figuren sind durch Dialekte sehr präzise herausgearbeitet und leicht erkennbar – und bergen somit auch eine gewisse Komik in sich.

Spaßige Seitenhiebe…

Das Bühnenbild (Michael Pöllmann) beschränkt sich auf viel Stoff am Boden (das Meer, der Strand) und einen Berg im linken, hinteren Teil der Bühne. An dessen Spitze sitzt eine Art Götterbote (Johannes Specht, Livemusik und Komposition), der mit E-Gitarre, Laptop und einer Handvoll Hilfsmittel die Erzählung lautmalerisch unterstützt. Stellenweise tritt er als allwissender Zuhörer aus seiner Position heraus, hinterfragt Odysseus und ermuntert ihn an schweren Stellen weiter zu erzählen. Er ist auch für das komische Element zuständig. Emotionslos mit weißem Leintuch, hellblauer Schärpe und blau-weiß-geringelten Flauschisocken (Kostüm: Agnes Burghardt) sitzt er mit goldenem Lorbeerkranz am Olymp und sorgt mit seiner demonstrativen Langeweile immer wieder für spaßige Seitenhiebe.

…und seichte Schmähs

In altbekannter Schober-Manier plätschert das Stück vor sich hin, bisweilen von seichten Schmähs durchtränkt (“der zackige Meeresgott mit dem Dreizack”,  “PO-seidon”, “die Odyssee, hab ich nach mir benannt, Gott sei Dank tauften mich meine Eltern nicht Wolfgang”,…). Eingang ins Stück findet auch die aktuelle politische Lage Griechenlands, das finanzielle Desaster bietet ja viel Raum für Anspielungen. Nicht zu kurz kommen leider Klischees wie beispielsweise Männergespräche der griechischen Helden, die sich nur um Autos, Frauen und Fußball drehen. Themen, die im zehnjährigen trojanischen Krieg bald erschöpft sind, zumal “das Auto noch nicht erfunden ist”. Der wahre Held der Geschichte ist Reinhold G. Moritz. Gekonnt führt er das Publikum durch die Geschichte und erzählt mit Präzision und Leichtigkeit, sodass “Odysseus am Sand” nicht komplett in einer griechischen Tragödie endet. (Text: Anne Aschenbrenner; Fotos: Alexander Dirninger)

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