Kunst für jedermann

Erwin Wurm: Gurken, Foto: Salzburg Foundation
Erwin Wurm: Gurken, Foto: Salzburg Foundation

Kunst im öffentlichen Raum ist nicht nur Zierde, sondern ein Statement: Zeitgenössische Kunst soll allen zugänglich gemacht werden. Städte erhalten so auch die Möglichkeit ein modernes Gesicht zu zeigen. Einladung zum Spazierengehen und Entdecken.

Anthony Cragg: Caldera - Foto: Salzburg Foundation
Anthony Cragg: Caldera – Foto: Salzburg Foundation

Salzburg ist wohl nicht die Stadt an die man zu allererst denkt, wenn man über zeitgenössische bildende Kunst spricht, Erwin Wurm wohl nicht der erste Name, den man mit der Stadt Salzburg verbindet und Anthony Craggs Skulptur ist wohl nicht der Hotspot, wo Touristen für Selfies Schlange stehen – und doch gehören sie dazu und das ist gut: Kunst im öffentlichen Raum prägt Stadtbilder und gibt auch von Touristen und Tradition überfrachteten Städten wie Salzburg Gelegenheit ein anderes, modernes Gesicht zu zeigen.

Kunst im öffentlichen Raum ist nicht nur Verzierung – sondern nimmt stets Bezug auf das Rundherum. Sie gibt kleine Geschichten preis, die man sonst gar nicht kennen würde. Geschichten vom Ort, an dem sie sich befindet, von der Umgebung, für die sie konzipiert wurde. Kennen Sie die Schriftzüge, die man auf einigen Wiener Gehsteigen findet? Die Künstlerin Catrin Bolt hat sie für zehn verschiedene Orte in Wien entworfen: „Mahnmal Alltagsskulpturen“ sind gassenlange Sätze, die oft von Deportation erzählen und von den deportierten Menschen, die diese Gassen einst entlang gingen .
Ungenutzte Energiepotentiale der Grazer Altstadt thematisiert hingegen Markus Jeschaunig mit seiner Installation „Oase No 8“ und leitet die Abwärme zweier Kühlhäuser in ein Gewächshaus, in dem exotische Früchte gepflanzt sind. Die erste Ananas-Ernte konnte bereits eingefahren werden. Das Projekt ist noch bis Ende 2016 an der Ecke Schmiedgasse/Jakominiplatz angesetzt.

Mit Mozart meditieren

Markus Jeschaunig, Oase No 8, 2015, Foto: KIÖR
Markus Jeschaunig, Oase No 8, 2015, Foto: KIÖR

Von Bundesland zu Bundesland sind Förderung und Finanzierung von Kunst im öffentlichen Raum unterschiedlich. Gemein ist allen Projekten aber: Zeitgenössische Kunst soll für jedermann zugänglich gemacht werden – unabhängig von Einkommen und Herkunft, eine der Grund­ideen aus den 1960er Jahren, als Künstler begannen Kunst außerhalb von Museen zu zeigen.

Marina Abramovic: Spirit of Mozart, Foto: Salzburg Foundation
Marina Abramovic: Spirit of Mozart, Foto: Salzburg Foundation

In Salzburg hat sich die Salzburg Foundation der Kunst im öffentlichen Raum angenommen. Gegründet 2001 nicht als Gegenstück, sondern als Ergänzung zum traditionellen Musik- und Theaterangebot von Salzburg hat die Privatstiftung in dem für zehn Jahre angesetzten „Projekt Salzburg“ pro Jahr einen, also insgesamt zehn zeitgenössische Künstler eingeladen, ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zu verwirklichen. So finden sich heute Erwin Wurms „Gurken“ und Anselm Kiefers „A.E.I.O.U“ im Furtwänglerpark oder Anthony Craggs „Caldera“ am Makartplatz. Entlang der Längsseite des Landestheater wandelt Thomas Baumanns Lichtinstallation „Stimono“ in Theater und Foyer aufgenommene Geräusche in Lichtsignale um und bindet so auch Menschen ein, die nicht ins Theater gehen (können). Marina Abramovi´c lädt mit „Spirit of Mozart“ in der Verkehrshölle an der Staatsbrücke zu einer meditativen Übung ein.
Nach Ablauf des „Projekt Salzburg“ entschied sich die Salzburg Foundation ihre Unternehmung als temporäre Projekte fortzusetzen, die jeweils auf dem Krauthügel und in der Kollegienkirche realisiert werden. Während „Katharsis“ von Barbara
Ullmann im Sommer ausgelaufen ist,  ist das aktuelle Krauthügel-Projekt von Andreas Slominski noch zu sehen.


Kunst und Rüben

„Rüben“ heißt die dreiteilige Installation, die aus Rübenerntemaschine samt Rüben, und einem aufgestellten, eingerollten Straßen- bzw. Radwegstück besteht und auch die Festung, unter der sie aufgestellt ist, mit einbezieht: Dem einstigen Faulpelz Leonhard von Keutschach, der die Festung Salzburg ausgebaut hat, soll von seinem Onkel eine Rübe nachgeworfen worden sein. Keutschach besann sich daraufhin, änderte seinen Lebenswandel, wurde fleißig und Erzbischof und Landesfürst. Die Rübe wurde im Familienwappen zum Symbol für Wohlstand. Nun  verfault sie als Vanitas-Motiv auf Slominskis Installation unterhalb der Festung. Was es hingegen mit den Straßenstücken auf sich hat, kann man in den Kunstgesprächen erforschen, die zweimal wöchentlich am Krauthügel stattfinden.

Der Text erschien im August in: Die Furche

Interessierten ist Anita Thanhofers Website www.kunst-durchblick-at empfohlen. Die Kunstvermittlerin bietet in Salzburg Führungen zu Kunst im öffentlichen Raum an, Infos hier.

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