interview mit matthias jakisic

Mit Musik in andere Welten entführen: Interview mit Matthias Jakisi

matthias-jakisic-2011-3Der in Wien lebende Violinist, Theatermusiker, Songwriter und Produzent Matthias Jakisic ist gleich für fünf Produktionen in der Kategorie “Herausragende Musik” für den “Stella 11” – den Preis für Darstellende Kunst für junges Publikum – nominiert. Anne Aschenbrenner sprach mit ihm über seinen bisherigen Karriereverlauf, Impulse, Pläne und Überraschungen.

Kulturwoche.at: Du bist als Musiker für Stella 11, den Preis für Darstellende Kunst für junges Publikum nominiert – deine erste Reaktion?

Matthias Jakisic: Naja die Reaktion ist auf jeden Fall positiv. Ich sehe das einfach als Bestätigung meiner Arbeit und freu mich natürlich sehr.

Du bist für insgesamt fünf Produktionen nominiert [Bonny und Clyde, Parsifal/Short Cut; beide Junge Burg; Popcorn, Diktator, Sand; alle drei Dschungel Wien; Anm.]: Welche Arbeit hat dir am meisten Spaß gemacht?

Abgesehen von den nominierten, das Stück “Überraschung” auf jeden Fall mal, weil die ganze Sache einfach so neu war, außerdem arbeitete ich zum ersten Mal mit Tänzern in dieser Form zusammen [lest dazu die Theaterkritik; Anm.]. Außerdem die Produktion “Diktator”, da ich Punkt A das Thema für sehr wichtig halte und Punkt B einen großartigen und gutmütigen Schauspieler mit sehr viel Erfahrung kennen gelernt habe: Massud Rhamana. Er ist wirklich eine ganz spezielle Person! Ja, und schlussendlich die ganzen Junge Burg Produktionen, weil ich mich einfach sehr gut mit Peter Raffalt verstehe. Der Humor ist ein wichtiger Faktor und trotz aller Lockerheit wird hier auf einem sehr hohen Niveau entwickelt und umgesetzt.

Das Stück “Überraschung” war für Dich ja auch eine Überraschung, oder? Erzähl mal wie die Zusammenarbeit mit Dschungel Wien begann…

Beim Stück “Überraschung” war es das erste Mal, das ich in einer Produktion für Kinder gearbeitet hab. Im Prinzip lief das alles über Johanna Figl, die ich ja noch aus meiner St. Pölten Zeit kenne – wir gingen auch kurz in dieselbe Schule. Sie empfahl mich für ein Stück, “Die Seiltänzerin”, nur wurde diese Arbeit dann aus verschiedenen Gründen nichts. Später bekam ich ein Mail von Stephan Rabl. Er fragte, ob ich nicht Interesse an einem anderen Stück, nämlich “Überraschung”, habe. Ja, und da war ich nun im Dschungel. Die Zusammenarbeit mit dem Dschungel dauert jetzt 4 1/2 Jahre. Die Stücke sind “Wiegentanz”, “Überraschung”, “Geheime Welten”, “Duftträume”, “Popcorn”, “Sand”, “Diktator”. Ich, beziehungsweise wir, hatten das Glück mit dem Stück “Überraschung” sehr erfolgreich zu sein und konnten das Stück in die ganze Welt hinaustragen, das ist schon etwas Besonderes, speziell wenn man in Südamerika spielt oder eine Einladung vom Sydney Opera House bekommt…

Nominiert bist Du aber auch für Stücke, die an der Jungen Burg zu sehen waren…

Das erste Stück das ich mit der Jungen Burg gemacht habe war im Frühjahr 2010, “Parsival”. Ich erhielt vom musikalischen Leiter Otmar Klein ein E-Mail, ob ich denn nicht Lust hätte bei “Parsival” mitzuarbeiten. Ich hatte Lust, ging zum Casting und bekam auch diesen Auftrag. Ich arbeitete mit dem Regisseur Peter Raffalt zusammen und es machte einfach irre Spaß. Das Resultat war sehr spannend, ein irgendwie für mich neuer Stil, eine Art Trash-Oper. Die Reaktionen auf das Stück waren großartig, egal ob hausintern oder pressetechnisch. Daraufhin fragte mich Peter Raffalt, ob ich denn nicht auch die nächsten Produktionen musikalisch begleiten will, und nun arbeiten wir gerade nach “Parsival” und “Bonny and Clyde” am dritten Stück, “Tristan und Isolde”, danach kommt “Alice im Wunderland”, eine Schimmelpfennigversion. Regie führt Annette Raffalt im Kasino am Schwarzenbergplatz. Ich mag die Art wie hier Dinge entstehen und wie hier ungeniert und unprätentiös gearbeitet wird.

Der Impuls zur Musik kam zuerst mal von Deinen Eltern?

Ja, meine beiden Elternteile waren Opernsänger und wollten, dass alle Kinder ein Instrument lernen. Wir sind vier, ich habe 3 Geschwister, 2 ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Die jüngste im Bund ist Psychologin, lebt in Tirol und wird bald Mutter, der älteste Bruder lebt in Pyhra bei St.Pölten und arbeitet an verschiedensten Projekten, das letzte ist eine Firma namens “Gehirnmuskel”, die laterales Denken unterrichtet. Der andere Bruder ist, so wie ich, Musiker, ausgebildeter Pianist bzw. Keyboarder, und unterrichtet bzw. spielt gerade in der Band Cheesevibes. Meine beiden Brüder als auch meine Schwester lernten Klavier. Ich die Violine. Warum das so war kann ich nicht beurteilen, meine Eltern meinten damals, dass ich sehr musikalisch bin und wollten das auch fördern…

Du spielst Geige seit du sehr klein warst – wie war das: freiwillig, unfreiwillig, talentiert und begeistert von Anfang an oder hast du dein Talent später entdeckt? 

Ich begann mit 6 Jahren Geige zu spielen. Natürlich ist das in diesem Alter etwas Unfreiwilliges. Ich besuchte ja auch keinen Kindergarten, sondern musikalische Früherziehung in der Musikschule St. Pölten, dort lernt man die Grundbegriffe der Musik, haut auf Instrumenten herum, lernt Noten und Rhythmik – und dann eben mit 6 begann das Geigespielen. Ich glaube, dass ich relativ talentiert war, obwohl ich schon damals sehr faul war, aber das Instrument machte mir Spaß, bis ich in die Pubertät kam…dann wurde das Schlagzeug interessant und ich beendete meine Geigenausbildung mit 15. Also prinzipiell hab ich nur eine Musikschulausbildung, aber die Jahre danach, wo ich in sehr vielen Musikrichtungen unterwegs war, schulten genauso wenn nicht mehr. In der Musikschule lernst du die Technik, im Leben lernst du das Hören und das Zuhören. Und auch spielerisch ergibt sich nach Jahren so etwas wie eine eigene Note. Das merkt man selbst eigentlich gar nicht wirklich, aber prinzipiell würde ich mal sagen, das alles was ich abseits der Geige gelernt habe, auf dem Prinzip “learning by doing” basiert.

Wie bist du dann richtig Musiker geworden?

Angefangen hat alles in St. Pölten, wo ich bis 20 die verschiedensten Projekte, Bands, CD-Produktionen begleitete, dann kam mein erstes Soloalbum wo ich mit sehr bekannten und erfahrenen Musikern arbeiten durfte. Das waren Leute wie Christian Eigner von Depeche Mode, Al Slavik von Alphaville, Dhafer Youssef und 20 andere. Danach kam der Wunsch nach London zu ziehen was ich auch machte. Dort begleitete ich andere Bands und CD-Produktionen und lernte weitere großartige Musiker kennen, mit denen ich auch arbeiten durfte, unter anderem spielte ich mit Nigel Kennedy, Gus Isidore [Gitarrist von SEAL und Peter Gabriel; Anm.], usw. Nach einiger Zeit kam die Anfrage aus Österreich, ob ich denn nicht mit Bauchklang arbeiten will, die machten gerade ein neues Album und so ging ich zurück nach Österreich.

Wie hat deine Arbeit mit Bauchklang konkret ausgesehen?

Mit Bauchklang ergab sich dann eine jahrelange Zusammenarbeit. Ich komponierte Nummern, arbeitete mit ihnen im Studio, ich fuhr bei Live-Auftritten mit und war sozusagen das Auge von außen. Ich produzierte in der Zeit auch andere Sachen, fuhr immer wieder nach England um auf CDs mitzuspielen, u. a. für Phil Gould von Level 42, STILL und andere. Parallel dazu gründete ich mit Ljubinka Jokic die Band YOK!, spielte immer wieder mit dem Clan der Windhunde [Otto Lechner, Karl Ritter, Peter Rosmanith; Anm.] und machte diverse Studioarbeiten – und irgendwann kam dann der Dschungel ins Spiel.

Stichwort Dschungel: Du hast Produktionen gemacht für die Allerkleinsten, ab 2 Jahren, aber auch für Jugendliche. An der Burg ist das Publikum wohl wieder anders. Welche Anforderungen siehst du da für dich als Musiker? Inwieweit planst du das Publikum schon in die Arbeit hinein?

Hm, das ist grundverschieden. Das spannende an der Musik für die ‘Kleinen’ ist, dass man sehr genau aufpassen muss was und vor allem wie man es spielt. Kinder ab 2 haben keinerlei Schubladen, mit denen sie Musik kategorisieren können. Wir Erwachsenen können ja ein trauriges Lied verschieden interpretieren, also depressiv, melancholisch, usw. Bei den kleinen Menschen geht es direkt rein und da muss man sehr aufpassen, dass sie nicht zu weinen anfangen, wenn man was ‘Trauriges’ spielt. Überhaupt ist die Musik in diesem Bereich sehr spannend da man sehr bildlich musizieren kann, bzw. soll. Man entführt die kleinen Besucher in andere Welten, begleitet sie durch eine Sinnesreise und führt sie wieder zurück. Das ist spannende Arbeit. An der Burg sind natürlich aufgrund des Alters schon mal ganz andere Gesetze. Hier spielt das Publikum eine weniger wichtige Rolle beim Musikfinden, da alle Hörgewohnheiten schon vorhanden sind. Da geht es eher um den Stil, den man für das jeweilige Stück findet. Aber der größte Unterschied ist, dass ich im Dschungel bis jetzt immer selbst auf der Bühne musizierte, und das mit einer Violine und diversen Effektgeräten. In der Burg habe ich entweder Musiker an der Hand, bzw. mache ich Playbacks – also ganz verschiedene Baustellen.

Wie schauen deine Pläne aus? Hast du konkrete oder lässt du alles auf dich zukommen? Wien, St. Pölten oder London?

Ich möchte weiterhin dem Theater treu bleiben da ich die Luft einfach mag und auch gar nicht anders kann. Für mich ist das eine eigene Welt, in der ich mich gut und gern realisieren kann. Überhaupt Ton zum Bild machen ist eine äußerst spannende Arbeit, die ich nicht missen will. Insofern hoffe ich, weiter an der Burg tätig sein zu können, da ich dort am meisten lerne bzw. verwirkliche. Ansonsten stehen viele Ideen im Raum, die eine oder andere wird sich hoffentlich realisieren lassen. Beispielsweise schreib ich schon länger für eine Soloperformance, die theatralisch umgesetzt werden soll. Dann gibt es mein Soloalbum, das schon seit Jahren behandelt wird, deutsche Lieder im elektronischen Gewand, das steht aber leider hinten an, da die Theatersachen die meiste Zeit in Anspruch nehmen. Ansonsten arbeite ich gerade mit dem Sänger Pollard Berrier [Sänger der Band ARCHIVE; Anm.] zusammen. Er will sein Soloding starten und fragte bei mir an, ob ich nicht mitschreiben will. Prinzipiell will ich mein zweites Standbein, die “Pop/Indieschiene”, nicht zu sehr verlassen, da ich ja auch im Endeffekt von dort komme. Ja, und sonst gibt es noch andere Anfragen die sehr spannend klingen wie zum Beispiel einmal ein Hörbuch zu machen. Ich gehe einfach unentwegt und dadurch kommt man immer wieder an interessanten Sachen vorbei, wo man gerne auch mal länger stehen bleibt. Insofern habe ich keinen großen Masterplan. Vielmehr gibt mir mein Instinkt den Weg vor. Momentan bin ich sehr glücklich und zufrieden in Wien, aber man weiß ja nie, was einen noch so für Orte begegnen – mal schauen.

Danke, Matthias! 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *