Das Rainald Grebe Konzert

grebe-rakete-2In einer ausgebeulten Anzughose spielt Rainald Grebe vor dem ausverkauften Wiener Stadtsaal am 15. Dezember 2012 sein mittlerweile viertes Soloprogramm zum aktuellen Album “Das Rainald Grebe Konzert”. Nach den Erfolgen in den letzten Jahren wendet er sich jetzt wieder dem Kleinen zu. Ganz ohne Kapelle der Versöhnung nur er, der Flügel und ein Schlagzeug.

In einer Doppel-Conference mit seiner Vergangenheit rollt der Künstler sein Leben aus, untermauert mit Bildern aus dem Familienalbum, unterbrochen mit einigen raschen Dialogen mit seinem Techniker und Freund Franz, der ab und zu auch auf die Videowall zwischengeschaltet wird.

Transparenz ist ein Schlagwort, das durch den Abend geleitet: Transparenz, denn wir haben ja alle nichts zu verbergen, oder? Rainald Grebe jedenfalls nicht, denn er zeigt alles: herzige Babyfotos (da schon mit dem starren Blick) und peinliche Jugendfotos, Familienfotoarrangements mit Blockflöte (“vermutlich bin ich deshalb Kettenraucher geworden”), seine Telefonnummer und sogar ein Foto von seinen zusammengewachsenen Zehen. Ob das alles wirklich stimmt, weiß man freilich nicht, amüsiert sich Grebe später im Interview. Er könnte ja alles erfinden. Aber es stimmt, beteuert er im selben Atemzug, alles echt.

In der ersten Programmhälfte erzählt Grebe viel und singt nur ein bisschen. Exemplarisch für (s)eine Generation hebt er dabei Augenblicke heraus von der Liebe zu einer Heimatstadt, die so langweilig und spießig ist, dass man sie eigentlich nicht lieben kann (“Frechen”), sowie über die Pubertät (“Captain Krümel”). Erst nach der Pause macht Rainald Grebe das, was er am allerbesten kann: er lässt seine einzigartigen Lieder mit all den harmonischen Melodien und absurden Texten für sich sprechen. Die größten Hits, wie zum Beispiel “Brandenburg”, spielt er ein paar Takte lang an, steht dann kurzerhand auf und lässt das Notenblatt durch den Schredder, und somit das Publikum, das schon zum Schunkeln und Grölen ansetzt, gegen die Wand laufen. 

Rainald Grebe hat in den letzten Jahren, vor allem mit der Kapelle der Versöhnung, immer größere Erfolge geschafft. Mit dem vierten Soloalbum kehrt er bewusst wieder zu seinen Wurzeln und präsentiert sich nachdenklich, kritischer, in sich gekehrter. Das es immer noch einen Unterschied gibt zwischen ihm und denen “da unten”, also dem Publikum, ist ihm natürlich bewusst, oder wie er tags drauf im Interview meinte: “Ich bin privilegiert. Ich kann machen was ich will. Ich kann mir das leisten”. Auf der Bühne im rauchfreien Stadtsaal spielt er das auch gerne aus, schenkt sich ein Glas Rotwein ein und zieht genüsslich an seiner Zigarette. “Und genau das ist der Unterschied zwischen euch und mir”. (Text: Anne Aschenbrenner; Fotos: Jim Rakete/photoselection)

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